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Minarette in der Schweiz
Europa Aktuell
 
 
Vural Öger: Offener Brief an meine deutschen Landsleute

Vielleicht klettern die fatalen 57 Prozent der Schweizer nach ihrem "Volksentscheid" gegen den Bau von Minaretten auf den nächsten Berg und schauen herüber zu uns. Es gab und gibt viele Gelegenheiten zu beobachten, wie die Deutschen auf den Bau von Moscheen vor ihrer Tür reagieren. Fast immer lief das ohne nennenswerte Kritik und sogar harmonisch ab.


Modell der modernen Moschee in Köln

2001 stellten im Kölner Stadtrat CDU und FDP den Antrag, ein islamisches Gebetshaus zu errichten, als "sichtbares Zeichen der Integration". Der Bau ist im nächsten Jahr fertig und ein Glanzstück moderner Architektur. An der Grundsteinlegung nahmen Katholische und Evangelische Kirche sowie die Jüdische Gemeinde teil. Der Integrationsbeauftragte des Landes NRW sprach dazu sein Grußwort auf Türkisch. In Duisburg ist die neue Merkez-Moschee schon 2008 übergeben worden. Ministerpräsident Rüttgers (CDU) kommentierte, angesichts der vielen Muslime in seinem Land müsse es mehr Moscheen geben. Diese sollten nicht in Hinterhöfen entstehen, sondern sichtbar sein. So weit, so gut.

Nun haben wir aber auch den Innenexperten Wolfgang Bosbach von der CDU, den das finstere Geschehen in der Schweiz zu der Forderung animierte, man müsse die Furcht der Bevölkerung vor der Islamisierung ernst nehmen, und der sich zudem zu der gefährlichen Dummheit verstieg, in der Architektur von Moscheen manifestiere sich ein "islamischer Herrschaftsanspruch". Ärger noch trieb es der Chefredakteur der "Weltwoche" Köppel, der hetzte, wenn Muslime unbedingt in einer Moschee mit Minarett beten müssten, dann "sollten sie doch in ein anderes Land gehen." Die rechtspopulistische Volksinitiative in der Schweiz wurde auf ihrer Homepage noch deutlicher: "Wer Minarette baut, will bleiben. Für die Bevölkerung sind Moschee und Minarett der unübersehbare Beweis dafür, dass die Einwanderer bleiben wollen."
Das ist auf den Punkt genau. Der Islam, den der Vatikan eine "große Weltreligion" nennt, ist nur der verlogene Vorwand für die uralte Fremdenfeindlichkeit der Ewiggestrigen. Auch die Minarette sind es nicht " davon gibt es in der Schweiz bis dato ganze vier. Zwar haben die Schweizer in ihrer Mehrheit und deren plappernde Nachbeter jetzt einen üblen Angriff auf die Religionsfreiheit gestartet. Hergestellt werden soll aber vor allem das Bild, dass alle Türken hierzulande und im Alpenland Muslime sind, was ja bei weitem nicht zutrifft, und dass diese besonders einem finsteren Kult huldigen, der Herrschaft über das gute christliche Abendland anstrebt.

Europa ist unleugbar das Resultat des Christentums minus Inquisition, aber auch der Aufklärung und vieler illustrer Demokraten. Damit ist es offen für alle Länder geworden, die sich zur Einhaltung der Menschenrechte verpflichten, auch für die Türkei. Dummköpfe und Randalierer finden sich auf allen Seiten. Aber wir haben schließlich in Deutschland einige Jahrzehnte des Religionsfriedens und der relativ erfolgreichen Integration von Einwanderern - in einem Prozess, der sich selbstredend nicht über Nacht vollziehen konnte. Gewiss, Ängste mögen hier und da vorhanden sein. Doch Ängste kann man auch wecken und erfinden, wie auf den Plakaten in der Schweiz, auf denen eine schwarz vermummte Frau vor raketengleichen Minaretten auf der Landesflagge lauerte. Die Botschaft lautete dort auch, der Islam sei unvereinbar mit "unseren" Werten, und die schmierige Manipulation versuchte aus allen Bürgen Opfer zu machen, was ja bei einer Mehrheit tatsächlich gelang, die sich als Verteidiger einer fragwürdigen Freiheit fühlen sollte. In diesem Zerrbild von Realität und Menschlichkeit ist der beste Muslim einer, den man nicht sieht - oder wie gehabt: nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer!

Die Schweiz darf uns auf keinen Fall infizieren. Die Verbohrtheit einiger Extremisten und ihrer Mitläufer darf uns nicht zurückwerfen in die Zeit vor Friedrich dem Großen und der Aufklärung. Unser Grundgesetz garantiert die Freiheit zur Ausübung einer Religion, mit oder ohne Minarett. Das sind die Grundwerte, von denen so viel die Rede ist. Niemand darf sie zerschlagen.


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Vural, Öger, Oeger, Europa, Parlament, Abgeordneter, Brüssel, Straßburg, Hamburg, Tuerkei, Türkei, Istanbul, Ankara, Wirtschaft, Politik, BWU, Kirchmann, Berater,Wiesener